TV-Produktionen zur Bundestagswahl aus dem ARD-Hauptstadtstudio
Kompetent gemeistert (2)
von Bernhard Herrmann,
Bei der Berichterstattung zur vorgezogenen Bundestagswahl 2025 aus dem ARD-Hauptstadtstudio setzten die Verantwortlichen erstmals auf eine hochauflösende LED-Videowall mit Touchscreen zur Visualisierung der Ergebnisse. Wir haben für unsere Ausgabe 4.2025 hinter die Kulissen der Live-Broadcast-Produktion geblickt.
Foto: Creative Art Production
Erstmals kam in einer ARD-Wahlsendung zur Bundestagswahl eine hochauflösende LED-Videowall mit Touchscreen zum Einsatz, die von Audio Visual Equipment (AVE) bereitgestellt wurde. Die LED-Wände bestanden laut AVE-Projektleiter Christjan Becker aus drei Modulen mit einem Pixelabstand von nur 0,9 mm. Die erste Wand hatte 7×7 Module, eine Größe von 4,20 × 2,36 m und eine Auflösung von 4.480 × 2.520 Pixeln. Die Touch-Funktion wurde mit einer primeTOUCH no-Y Infrarotleiste von Exact Solutions ermöglicht. Die zweite Wand war mit 2×7 Modulen ausgestattet und maß 1,20 × 2,36 m bei einer Auflösung von 1.280 × 2.520 Pixeln. Die dritte Wand verfügte über 4×7 Module, eine Größe von 2,40 × 2,35 m und eine Auflösung von 2.560 × 2.520 Pixeln.
Zur Steuerung der LED-Wände wurde der Novastar MX40 Pro Prozessor verwendet. Für die Darstellung von Grafiken und Daten wurden zusätzlich 7 Muxwaves M3 mit 3,91 mm Pixelabstand verbaut. Alle Zuspielungen der LED-Wände und Muxwaves erfolgten über Watchout-Systeme (Medienserver), um Live-Bilder, Daten und Grafiken in der richtigen Formatierung ausspielen zu können. Die Datenzulieferung von infratest dimap erfolgte dabei als 3.840 × 2.160 50p-Signal über ein HDMI-2.0-Kabel. Auch diverse Monitore und Displays mit Multiviewern wurden eingebaut, um das Wahlgeschehen effektiv zu überwachen und zu kontrollieren.
ARD-Coverage
Die Mitarbeitenden im Studio hatten zuvor von der Set-Aufnahmeleiterin einen aktualisierten und 12-seitigen Ablauf erhalten. Darin waren vom Sendebeginn bis um 19:55 Uhr über 150 Positionen abzuarbeiten. Nur während der vorproduzierten Beiträge gab es bis zum jeweiligen Einzählen der Set-Aufnahmeleiterin und Countdown-Ruf im Studio kurze Verschnaufpausen.
Der Mix aus Interviews von Markus Preiß mit Gästen im Wahlstudio, Schalten zu den jeweiligen Parteien und Interviews der Reporter und Reporterinnen mit Politikern vor Ort sowie die Erläuterungen der Statistiken und der Grafiken an der neuen Videowall durch Jörg Schönenborn im Studio gingen zwei Stunden und 48 Minuten lang fehlerfrei über den Sender, was parallel auch im Livestream der ARD zu sehen war. Auch die „tagesschau“ um 20:00 Uhr wurde größtenteils aus dem ARD-Hauptstadtstudio bestritten. Als der wohlbekannte Gong ertönte, waren alle Kameras im Wahlstudio bereits fünf Minuten zuvor für die Schalte in die Livesendung besetzt worden. Diese Ausgabe der Nachrichtensendung erreichte in der ARD einschließlich der parallelen Ausstrahlungen in den Landesprogrammen eine Gesamtreichweite von 15,26 Millionen Zuschauenden, was einem Marktanteil von 50,4 Prozent entsprach.
Im Anschluss daran wurde die „Berliner Runde“ aus dem umdekorierten Hauptstadtstudio produziert und parallel in der ARD und im ZDF übertragen. Die Moderation führte ARD-Chefredakteur Oliver Köhr und ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten. Ihnen gegenüber saßen an den im Halbkreis nebeneinander platzierten Einzelpulten die Spitzenvertreter der im neuen Bundestag 2025 vertretenen Parteien, wobei es in zwei Fällen noch unklar war, ob sie es tatsächlich in das Parlament schaffen würden. Technisch wurden die bereits im Studio befindlichen Kameras benutzt. Zusätzlich kam eine Steadicam-Operator-Kamera zum Einsatz.
Erstmals im Einsatz bei einer Bundestagswahl war die hochauflösende LED-Videowall mit Touchscreen. Die Inhalte wurden von infratest dimap eingespielt. (Foto: Creative Art Production) (Bild: Bernhard Herrmann/CAP Solutions)
Die „Berliner Runde“ sahen insgesamt 7,95 Millionen Zuschauer in der ARD, was einem Marktanteil von 25,4 Prozent entsprach. Die sich daran anschließende Sendung von „tagesthemen extra“ moderierte Ingo Zamperoni in der „entsprechenden“ Dekoration im ARD-Wahlstudio. Wiederum waren die ARD-Einschaltquoten wieder sehr hoch. Insgesamt 6,83 Millionen Zuschauende hatten den Sender eingeschaltet, was einem Marktanteil von 28,4 Prozent entsprach.
Fazit
Oliver Köhr, ARD-Chefredakteur zeigte sich am Montag nach der Bundestagswahl 2025 sehr zufrieden mit diesen Einschaltquoten. „Mit unserem breiten Programmangebot sind wir dem spürbar gestiegenen Informationsinteresse der Menschen nachgekommen. Besonders erfreulich ist, dass die ARD über alle Generationen hinweg als verlässliche Informationsquelle geschätzt wird.“
„Die fehlerfreie Umsetzung einer technisch komplexen Produktion wie der Bundestagswahl-Berichterstattung ist nur durch den Einsatz einer erfahrenen und hochqualifizierten Crew möglich“, erläuterte Nick Zimmermann, der Geschäftsführer von Studio Berlin, die TV-Produktion mit dem Ü9 UHD Ü-Wagen. „Das beginnt mit der Produktionsplanung durch unsere Projektleiter und technischen Gewerkeleiter. Hier zeigte sich auch die professionelle und reibungslose Zusammenarbeit zwischen Studio Berlin und der Crew des ARD-Hauptstadtstudios. Während der Produktion muss man dann gemeinsam auch auf ungeplante Situationen reagieren, um dem Zuschauer eine optimale Berichterstattung des wichtigen Ereignisses bieten zu können.“
Die unaufgeregte und fachlich kompetente Moderation der Livesendung durch Markus Preiß sowie sein souveräner und persönlicher Umgang mit den Politikern auch vom weit rechten und linken Rand des Parteienspektrums haben die Zuschauenden offensichtlich mit ihrem bemerkenswerten Interesse belohnt.
Die inhaltliche und die technische Qualität, die den Zuschauenden in den Livesendungen der ARD fehlerfrei angeboten wurde, war eine ausgezeichnete Teamleistung. Das bescherte der ARD die bisher höchsten Einschaltquoten bei Bundestagswahlen im Deutschen Fernsehen. Die Wahlsendungen aus dem ARD-Hauptstadtstudio schalteten ab 17.10 Uhr 6,83 Millionen aller Zuschauenden ein, was einem Marktanteil von 28,4 Prozent entsprach. Bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 2,02 Millionen Zuschauende mit einem Marktanteil von 35,2 Prozent gezählt.
„In sehr kurzer Vorbereitungszeit und vielen Sendungen im Vorfeld, für die das ARD-Hauptstadtstudio verantwortlich war, waren diese Produktionen der krönende Abschluss“, fasst der Produktionsleiter des ARD-Hauptstadtstudios, Werner Melzer, die TV-Produktionen der Livesendungen im ARD-Wahlstudio und die damit verbundenen besonderen Herausforderungen zusammen. „Danke an das gesamte Team des Hauptstadtstudios, ohne alle Kolleginnen und Kollegen an ihren Stellen könnten wir nicht ein so glänzendes Ergebnis abliefern!“ [15539]